Hildegard und der Dinkel

"Dinkel ist das beste Getreide und er ist warm und fett und kräftig, und er ist milder als andere Getreidearten, und er bereitet dem der ihn ißt rechtes Fleisch und rechtes Blut, und er macht frohen Sinn und Freude im Gemüt des Menschen. Und wie auch immer (die Menschen) ihn essen, sei es in Brot, sei es in anderen Speisen, er ist gut und mild. Und wenn einer so krank ist, dass er vor Krankheit nicht essen kann, dann nimm die ganzen Körner des Dinkels und koche sie in Wasser, [...] und gib das dem Kranken zu essen, und es heilt ihn innerlich wie eine gute und gesunde Salbe. ”
Hildegard v. Bingen (1098-1179), Naturforscherin

 
So schrieb Hildegard von Bingen in Ihrem medizinischen Werk "Physica" über das Getreide Dinkel. In dem Buch gibt die adlige Nonne Tipps und Tricks über die medizinische Verwendung der unterschiedlichsten Pflanzen, Tiere und Substanzen. Es ist aber wohl nicht nur der Popularität des Dinkels bei der Nonne zuzuschreiben, dass er in dieser Zeit als wertvolles, sättigendes Grundnahrungsmittel galt, sondern auch den positiven Eigenschaften des Dinkels.

Doch nicht erst Hildegard von Bingen wußte den Nutzen des Dinkels zu schätzen. Auf Grund archäologischer Funde weiß man heute, dass Dinkel aus Südwestasien stammt und bereits in der Jungsteinzeit in Nord- und Mitteleuropa angebaut wurde.

Wegen seiner deutlich geringeren Ernteerträge gegenüber anderer Getreidearten, verlor der Dinkel im Laufe der Zeit an Bedeutung. Die Verwendung des Dinkels als Grünkern sicherte ihm das Überleben bis vor einigen Jahren die Bekanntheit und die
landwirtschaftliche Bedeutung des Dinkels wieder zunahm.
Abtei St. Hildegard, Rüdesheim/ Eibingen
 
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